Bewaffnete "Jedermannsfestnahme" - zulässig oder nicht?

Dieses Thema "ᐅ Bewaffnete "Jedermannsfestnahme" - zulässig oder nicht? | Seite 2 - Waffenrecht" im Forum "Waffenrecht" wurde erstellt von TomRohwer, 30. Januar 2018.

  1. Marie Larsen

    Marie Larsen V.I.P. 06.02.2018, 13:29

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    AW: Bewaffnete "Jedermannsfestnahme" - zulässig oder nicht?

    Denke ich auch. Geladene Schusswaffen unter seinem Kopfkissen oder in der Nachttischschublade zu haben ist ja auch irgendwo ein Menschenrecht. Da kann auch das Waffenrecht nichts dran ändern.
     
  2. Volker4

    Volker4 Star Mitglied 08.02.2018, 10:30

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    AW: Bewaffnete "Jedermannsfestnahme" - zulässig oder nicht?

    Das sieht aber zumindest ein VG anders (VG Ansbach – Urteil vom 24.02.2016, AN 14 K 14.01215). Danach stellt das ständige Führen einer Schusswaffe im eigenen Haus zum Selbstschutz einen Verstoß gegen die Aufbewahrungsvorschriften dar. Außerdem meine ich mich an ein anderes Urteil zu erinnern, wo jemandem, der zu Hause zum Zwecke des Selbstschutzes ständig seine Waffe im Hosenbund hatte, unterstellt wurde, dass er Waffen missbräuchlich verwenden wird, da für ihn nicht absehbar ist, ob eine Situation eintritt, wo die Verwendung einer Schusswaffe gerechtfertigt sei und daher angenommen werden musste, dass er die Waffe auch möglicherweise dann einsetzen wird, wenn keine rechtliche Grundlage dafür vorliegt.

    Auch das sehen die Verwaltungsgerichte mitunter genau anders herum (VG Braunschweig – Urteil vom 23.10.2008, Az. 5 K 46/08). Danach ist die nächtliche Aufbewahrung einer geladenen Waffe beispielsweise unter dem Kopfkissen keine ordnungsgemäße Aufbewahrung.

    Wenn man die Rechtsprechung so betrachtet, dann gehören Waffen grundsätzlich in den Schrank und sind nur dann zu entnehmen, wenn es im Zusammenhang mit dem nachgewiesenen Bedürfnis geschieht. Wenn man Sportschütze oder Jäger ist, hat die Waffe weder tagsüber etwas im Hosenbund, noch nachts etwas im Nachttisch zu suchen, denn das hat nichts mit dem nachgewiesenen Bedürfnis zu tun.
     
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  3. TomRohwer

    TomRohwer V.I.P. 08.02.2018, 11:54

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    AW: Bewaffnete "Jedermannsfestnahme" - zulässig oder nicht?

    Das finde ich eine kühne Gesetzesauslegung vor dem Hintergrund, daß man innerhalb des eigenen befriedeten Besitztums eine Waffe überhaupt nicht "führen" kann.
    "Führen" definiert das WaffG unmißverständlich als Ausüben der tatsächlichen Gewalt über Waffen ausserhalb des umfriedeten Besitzes.
    Anlage 1, Abschnitt 2, Ziffer 4 WaffG

    Im Sinne dieses Gesetzes

    4. führt eine Waffe, wer die tatsächliche Gewalt darüber außerhalb der eigenen Wohnung, Geschäftsräume, des eigenen befriedeten Besitztums oder einer Schießstätte ausübt

    Ein vom Bedürfnis erfasster Zweck wird im übrigen nur verlangt, wenn die Waffe innerhalb des befriedeten Grundstücks eines anderen geführt wird:

    §12 Abs.3 WaffG

    Einer Erlaubnis zum Führen von Waffen bedarf nicht, wer
    1. 1.diese mit Zustimmung eines anderen in dessen Wohnung, Geschäftsräumen oder befriedetem Besitztum oder dessen Schießstätte zu einem von seinem Bedürfnis umfassten Zweck oder im Zusammenhang damit führt;
    Zum "Führen" einer Waffe im eigenen befriedeten Besitztum sagt das WaffG nur, daß es sich um "Führen" nur dann handelt, wenn es außerhalb dieses eigenen befriedeten Besitztums geschieht.

    Insofern müsste nach aller Logik und dem Gesetz gelten:
    1. Führen außerhalb des eigenen befriedeten Besitztums nur mit Waffenschein
    2. Führen innerhalb des befriedeten Besitztums eines anderen mit dessen Zustimmung: erlaubnisfrei, kein Waffenschein nötig, wenn zu einem vom Bedürfnis umfassten Zweck
    3. Führen innerhalb des eigenen befriedeten Besitztums: kein "Führen" im Sinne des WaffG, keine weitere Regelung.
    Darauf bezog ich mich ja. Diese Auslegung ist bekannt. Ich finde sie nur unsinnig und überspannt.
    Das Gesetz gibt dazu nichts her, außer daß es ausdrücklich das "Führen einer Waffe" nur außerhalb des eigenen befriedeten Besitzes usw. kennt.
    Und die Frage nach einer sicheren Aufbewahrung bzw. Kontrolle über die Waffe ist teilweise klar geregelt - Schutzklassen für Waffenschränke usw. - und teilweise Auslegungssache.
    Wird z.B. eine Waffe von zu Hause zum Schießstand transportiert, dann soll das auf dem direkten Weg geschehen. Man darf unterwegs trotzdem anhalten, z.B. um zu tanken, wenn man im Auto unterwegs ist. Man darf mit der Waffe in der Bahnhofsgaststätte sitzen, um auf den Anschlusszug zu warten.
    Welche Vorkehrungen dann jeweils konkret zu treffen sind, ist abhängig
    vom Einzelfall und vom verantwortungsbewussten Waffenbesitzer in
    der jeweiligen Situation abzuwägen. Dies bedeutet z.B., daß ein Fahrzeug
    mit Schusswaffen nicht über einen längeren Zeitraum unbeaufsichtigt
    abgestellt werden darf und die Waffen nicht von außen erkennbar sein
    sollten. (Völlig logisch.)

    Auch an dem Punkt aber gibt es Auslegungsbedarf. Und das ist ja mein Punkt. Ob die zugriffsbereite Waffe im Nachttisch (immer dazu: der Besitzer liegt direkt daneben!) eine ausreichend sichere Aufbewahrung ist - das ist Auslegungssache. Und da darf der Bürger dann schon auf dem Standpunkt stehen: ich halte diese oder jene Auslegung durch ein Gericht für überspannt.
    Das ändert zweifellos nichts an der jeweils herrschende Rechtslage, die ist wie immer nun mal die jeweils herrschende Rechtslage.

    Und deshalb, um wieder an den Anfang der Abschweifung zurückzukommen, hat der klügere Waffenbesitzer halt seinen kleinen Waffensafe im Schlafzimmer...
    :cool:

    Wo genau die Waffe im Falle des Falles tatsächlich lag, weiß außer dem Waffenbesitzer und ggf. der zeugnisweigerungsberechtigten Ehegattin niemand.
    (Und nein, der Einbrecher, der plötzlich im Schlafzimmer stand, weiß das auch nicht. Oder besser gesagt: er wird es nicht mehr aussagen können. Der wäre dann nämlich tot...:mad:)
    Zuletzt bearbeitet: 8. Februar 2018
     
  4. Volker4

    Volker4 Star Mitglied 08.02.2018, 13:14

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    AW: Bewaffnete "Jedermannsfestnahme" - zulässig oder nicht?

    Mal unabhängig von der Frage, ob man innerhalb seines eigenen, befriedeten Besitztums eine Waffe laut Definition führt oder nicht, ich kann nicht die Auffassung nachvollziehen, dass man zu Hause, nur weil man für eine bestimmte Art des Umgangs keinen Waffenschein benötigt, mit der Waffe machen kann, was man gerne möchte. So ziemlich sämtliche Regelungen im WaffG in Bezug auf den Umgang mit Waffen sind mit der Formulierung "im Rahmen seines Bedürfnisses oder im Zusammenhang damit" verknüpft. Der Wunsch nach Selbstschutz ist aber bei so ziemlich allen Waffenbesitzern nicht Teil des nachgewiesenen Bedürfnisses.

    Das sehe ich halt anders. In Deinem Fall mag das ja so sein, aber das ist eben rein subjektiv. Ich persönlich habe (glücklicherweise) einen sehr festen Schlaf und würde nie auf die Idee kommen, zu behaupten, dass eine Waffe in meinem Nachttisch sicher verwahrt wäre, selbst wenn ich daneben liege. Jeder Dreijährige könnte die bei mir ohne Probleme unbemerkt aus der Schublade rausfischen. Und auch Du wirst irgendwann mal so tief schlafen, dass Du es nicht merken würdest, wenn Deine (möglicherweise von Dir unbemerkt) suizidal veranlagte Lebensabschnittsgefährtin sich der Waffe bemächtigt. Da weder Du noch ich beeinflussen können, wie tief wir schlafen, kann die Aufbewahrung im Nachttisch folglich objektiv nicht jederzeit sicher sein. Genau das muss sie aber sein.
    Und noch ein wenig OT, wozu soll die Waffe im Nachttisch liegen? Um mich gegen Einbrecher zu wehren, wenn ich zu Hause bin. Wie wahrscheinlich ist denn bitte der Fall, dass das eintritt, gemessen an der Gesamtzahl aller Einbrüche? Und selbst für den Fall, dass der Noob die Situation vor Ort nicht ordentlich ausgekundschaftet hat und ich zu Hause bin, während bei mir eingebrochen wird, wer sagt denn, dass da eine Situation eintreten wird, die den Gebrauch einer Schusswaffe rechtfertigt? Wir haben hier kein "Stand-your-ground-Law", nach dem ich jeden, der auf meinen guten, englischen Rasen latscht, einfach umflammen darf.
    Wenn ich als Jäger oder Sportschütze Waffen besitze, dann verbietet sich, so wie ich die Urteile verstehe, schlicht und ergreifend jede nicht vom Bedürfnis gedeckte Entnahme der Waffe aus dem Sicherheitsschrank, insbesondere aufgrund irgendwelcher diffusen Selbstschutzwünsche.
     
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  5. Benutzer1a

    Benutzer1a V.I.P. 19.02.2018, 16:03

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    AW: Bewaffnete "Jedermannsfestnahme" - zulässig oder nicht?

    Das Problem ließe sich ganz einfach lösen, wenn man die Abgabe von Munition an Private stärker regulieren würde. Warum muss Munition überhaupt im Haus gelagert werden?
     
  6. Volker4

    Volker4 Star Mitglied 20.02.2018, 09:06

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    AW: Bewaffnete "Jedermannsfestnahme" - zulässig oder nicht?

    Na ja, die Idee, Waffen und/oder Munition nicht zu Hause, sondern irgendwo zentral zu lagern, ist nun auch nicht ganz neu. Aber in Ballungsgebieten oder Großstädten wohnen jeweils mehrere Tausend Waffenbesitzer, die mehrere zehntausend Schusswaffen und wahrscheinlich Millionen Schuss Munition besitzen. Mal abgesehen von dem logistischen Aufwand und den Kosten, so ein riesiges Lager zu organisieren und zu verwalten, dürfte das ein einziges Chaos werden, wenn da 24/7 hunderte oder sogar tausende Waffenbesitzer täglich aufschlagen, um ihr Zeug hinzubringen oder abzuholen.
     
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